Der Neubau St. Josef

Der Neubau unserer Kirche – geweiht 1983

 „Das Zelt ist das Symbol des wandernden Gottesvolkes – Gemeinde Christi auf dem Weg zu Gott…“  Diese einführenden Worte hatte der Architekt Lukassek in seinem Beitrag zum sehr schön ausgeführten Festprogramm anlässlich der Einweihung des neuen Kirchbaus am     6. November 1983  geschrieben.

Es soll daran erinnert werden, dass das Leben einer jeden christlichen Gemeinde immer in Bewegung ist.  Die St. Josef – Kirche ist über einem sechseckigen Grundriss errichtet  und besteht aus einer flachen und einer steilen  Dachhälfte. Dabei kann das Licht von oben auf den Altar fallen.

Aber wie kam es in den frühen 80-iger Jahren in einer Kreisstadt des DDR-Bezirkes Suhl zum Bau eines neuen Gotteshauses?

Die Chronik der Gemeinde weist ein umfangreiches Schrifttum darüber aus.

Aus ihr wissen wir, dass am 26.4.1896 der erste katholische Gottesdienst  nach den Ereignissen der Reformation wieder in Ilmenau stattfand. Dazu wurden  zunächst eine öffentliche Lokalität (Hotel am Ilmenauer Bahnhof), später sogar teilweise Räumlichkeiten im Rathaus,  und dann etwas regelmäßiger die Kapelle auf dem Friedhof genutzt.  Kirchliche Sondergenehmigungen beim Fuldaer Bischof bzw. durch den zuständigen Pfarrer in Weimar waren dafür notwendig. Wie man sich denken kann, war seinerzeit  viel eigenständiges Handeln der damals (wenigen) Ilmenauer Katholiken notwendig. Die junge Gemeinde war z.T. sehr stark auf sich selbst angewiesen.

Das änderte sich aber  ein paar Jahre später, als durch den Fuldaer Bischof an der Unterpörlitzer Str. ein Grundstück erworben wurde, auf dem dann ein katholisches Pfarrhaus mit angrenzender Kapelle gebaut wurde, in der schon am 13. Oktober 1901 der erste feierliche Gottesdienst abgehalten wurde.

Durch die schwerwiegenden Folgen des II. Weltkrieges verloren viele Katholiken ihre angestammte Heimat; was sich in der Ilmenauer Gemeinde natürlich auch durch einen Zustrom weiterer Gläubigen bemerkbar machte. Die Gemeinde wuchs merklich an, und der Wunsch nach einer „eigenen“  Kirche fand mehr und mehr Ausdruck in den Diskussionen. Es ist dabei interessant zu erfahren, dass es bereits im Jahre  1910 zur Gründung eines Kirchbauvereins kam; offenbar dachte man damals schon an einen richtigen, neuen Kirchenbau.

Mitte der 70-iger Jahre verdichteten sich dann – aus den unterschiedlichsten Richtungen gesehen – die Vorstellungen zum Bau einer eigenen katholischen Kirche in Ilmenau.  Und das zu einer Entwicklungszeit, in der auf dem Gebiet der DDR  mit der Sozialistischen Einheitspartei eine  atheistische Staatspartei zwar die verfassungsmäßige Religionsfreiheit auf dem Papier garantierte,  im gesellschaftlichen Leben jedoch die religiöse Betätigung von Gläubigen de facto behinderte! Das konnte man auch für die gesamten Aktivitäten christlicher Kirchen beobachten.

Und so nimmt es nicht Wunder, wenn die Vorlaufs Planung, die Projektierung, die Bauvorbereitung und der Bau selbst immer mit robusten Auseinandersetzungen zwischen Bischöflichem Ordinariat, Pfarramt und staatlichen Behörden gekennzeichnet waren. Große Unterstützung konnte unser damaliger Pfarrer Sammet aus den Reihen seiner Gemeinde erfahren.

In einer Vermeldung am Ende eines Gottesdienstes von 1982  heißt es dazu:

„Am Pfingstsonntag, 30. Mai, halten wir eine große Türkollekte für den Neubau unserer Kirche. Wir möchten die Gemeinde darüber informieren, dass wir bisher

                      120.000,-  Mark

gesammelt haben. Das ist Dank der Großzügigkeit einzelner Spender ein gutes Ergebnis. Der Kirchbau soll bis Ende des Jahres fertiggestellt werden.“

Ohnehin stellt man sich hier sofort die Frage, wer bei dem Bauvorhaben eigentlich die Finanzierung verantwortete?  Die Gemeinde an sich war ganz bestimmt willig; … aber konnte sie auch solche vorstellbar hohen Summen allein durch Spenden aufbringen? – Wohl kaum.

Der DDR-Staat  und die Parteigremien waren ganz bestimmt nicht daran interessiert, ein solches Vorhaben in die Bilanzen aufzunehmen. Das war ohne Zweifel nicht die politische Linie!

Wohl aber war man von offizieller Regierungsseite dazu  bereit, ein Devisengeschäft abzuschließen, d.h. wenn bei einem Bauvorhaben Westgeld eingenommen werden kann….Hier kam die Diözese Fulda wieder ins Spiel und die Spendenbereitschaft westdeutscher Katholiken!

Und so wurde der  “Volkseigene Außenhandelsbetrieb“  LIMEX  (Bau Export/Import, Berlin – Hauptstadt der DDR) zum wichtigsten Finanzierungspartner für das Vorhaben.  Wie ein – auch heute noch am Kircheneingang sichtbares – Schild kundtut, war auch das Bonifatius Werk eine nennenswerte Hilfsquelle.

Bau-Ausführende waren jedoch ausschließlich DDR-Fachleute und katholische Gläubige der Region mit ihren Eigenleistungen (Schachtarbeiten, Garagen- und sonstige Nebengelasse usw.). Die aus Holzbindern bestehende Spezialkonstruktion wurde im Bauelementewerk Erfurt (Betriebsteil Hermsdorf) entworfen und  hergestellt; der Transport erfolgte mit einem Überreichweiten-Schlepper von dort aus nach Ilmenau.

Auch bei der künstlerischen Planung und Gestaltung des Kirchneubaus (z.B. für die farbige Auslegung der Betonglasfenster) waren ausschließlich DDR-Bürger eingebunden.


Modell des Kirchbaus von Herrn Architekt  Lukassek vor  dem
Kirchenportal von St. Josef

Heutige Ansicht der Kirche St. Josef in Ilmenau

Durch die gesamte Bauphase hinweg sind ausschließlich die im Thüringer Wald bodenständigen Materialien: Holz, Schiefer sowie verputzter Ziegel  verarbeitet worden.

Bei der  Ausgestaltung des Innenraums kamen viele guten Ideen und  Taten zusammen:   Die Ausführung des Altars (Bulgarischer Vraza-Kalkstein  ),                      das an der Rückwand angebrachte stilisierte Christus-Kreuz (Email mit Vergoldung), das Tabernakel und die (leicht asymmetrisch -) konzentrisch um den Altar angeordneten Bänke für die Gläubigen (ca. 170 Plätze), dies alles sind  erwähnungswürdige Sichtpunkte unserer katholischen Kirche St. Josef.  Deshalb sind  nicht nur wir Ilmenauer, sondern auch nichtchristliche Besucher, evangelische Christen der Region sowie vermehrt  katholische Studenten aus fernen Ländern immer wieder  angeregt und beeindruckt, wenn man nach einem der regelmäßigen,  öffentlichen Konzerte die Kirche als geweihten Veranstaltungsort verlässt.

Wollen wir uns heute deshalb noch einmal  die Worte des seinerzeitigen Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats – Herrn Thomas Jäcklein–  verinnerlichen, die er anlässlich seiner Festrede unter Anwesenheit von Herrn Bischof Dr. Wanke bei der Einweihefeier fand:

„.. Unser Kirchneubau soll deshalb nicht als eine Art Privatbesitz betrachtet werden,  sondern er soll offen sein für alle Menschen um uns herum, für Nichtchristen, Neugierige, für Suchende und Fragende. Wir wollen immer gute Gastgeber sein und dabei den Blick für die Anderen nicht verlieren…“