Nachdenkliches

Ein Zeichen der Einheit aller Menschen

WORT ZUR WOCHENWENDE von Michael Gabel aus Ichtershausen
TA vom Sonnabend 6. Mai 2017, Seite 16

Von der Autobahn A4 bis zum Rennsteig erstreckt sich die am
1. Januar 2017 neu errichtete katholische Pfarrgemeinde Sankt Elisabeth. Mit Arnstadt, Ilmenau, Stadtilm und Ichtershausen umfasst sie vier Kirchorte, der Sitz der Pfarrei ist Arnstadt. Angesichts ihrer geographischen Lage kann man sie auch die Ilmkreis-Pfarrei nennen.

Am 7. Mai, begeht die neu gegründete Pfarrei in Arnstadt gemeinsam mit dem Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr das Gründungsfest in Arnstadt. Auf den Festgottesdienst um 14 Uhr folgt ein großes Kennenlernfest in der Arnstädter Stadthalle, zu dem folgerichtig nach Gebet und Orgel auch Spiel und Tanz gehören.

Aus ehemals eigenständigen Gebilden sind in der neuen Pfarrei Kirchorte geworden, wobei die Bezeichnung Programm sein soll. Dieses Programm heißt Vielfalt, denn kein Kirchort umfasst alles, was die Pfarrei ausmacht. Berg und Tal werden nicht eingeebnet, die kleinen Einheiten nicht wie ein Stück Zucker im großen Ganzen aufgelöst. Im Miteinander der Kirchorte kommt es darauf an, dass jeder seinen Markenkern entdeckt und liebevoll ausgestaltet – und die Neugier, was die anderen so machen. Dazu gehört auch, dass der einzelne Kirchort für sich allein niemals den Reichtum des Pfarrlebens auszudrücken vermag. Austausch mit offenen Augen, Ohren und Herzen ist gefragt.

Kirchort ist aber noch in einem ganz anderen Sinn Programm. Kirche lebt nur vor Ort, im lebendigen Austausch mit den Mitbürgern und dem kommunalen Leben. Das gilt für die Pfarrei als Einrichtung, wenn man sich nüchtern eingesteht, dass die heutige Gestalt der Pfarrei eher nicht Ausdruck eines hervorquellenden Wachstums des Lebens ist, sondern eher eine Antwort auf Ermüdungserscheinun-gen. Die Zukunft des Glaubens kann nicht in der Sakristei des Kirchorts liegen. Gewiss ist die Pfarrei auch ein Rückzugs-, Samm-lungs- und Orientierungsort, aber doch für ihr Leben in den Alltag hinein. Schule, Vereinszimmer und Rathaus dürfen für haupt- und ehrenamtliche Christen keine No-go-Areas sein. Freude am Leben, Zuversicht in schwerer Zeit oder die Förderung des Zusammen-lebens bis hin zur Inklusion sind Stärken, zu denen Christen gemein-sam mit ihren Mitbürgern finden können. Die Kirchorte sind mithin die Orte der Laien. Jeder ist gefragt, am Lebens- und Arbeitsort seinen Glauben und seine Lebensüberzeugung zum Ausdruck zu bringen und gemeinsam mit den Mitbürgern überzeugende Antwort zu finden auf die Fragen der Gegenwart. Nur so kann die Ilmkreis-Pfarrei im Kleinen das sein, was die Kirche als Weltkirche im Ganzen sein soll: Zeichen der Einheit aller Menschen.